Reisetagebuch

17.04.2008: Um 6.24 Uhr mit der S5 von Schoefflisdorf nach Ruemlang, anschliessend mit dem Bus zum Flughafen. Dank Vorabend-Check-In haben wir nur eine kuze Wartezeit. Ein Bus bringt uns zum Flugzeug, auf den ersten Blick eine uralte Maschine. Beim Einsteigen entpuppt sich diese zum Glueck als moderner Airbus A319, nur das Design ist von 1940, vom Erstflug dieser IBERIA-Maschine von Madrid nach Barcelona. Aus dem erhofften Fruehstueck auf der Maschine wird nichts, auch jedes Getraenk gibt es nur gegen Cash. Windige Landung in Madrid nach 2 Stunden Blick auf die geschlossene Wolkendecke. Der Flughafen Barajas hat seit unserer letzten Durchreise vor 18 Jahren eine rieseige, moderne Halle erhalten, ein rationelles Fortkommen ist nur mit Mensch-Foerderbaendern moeglich. Schnell ein paar Euros fuer eine Kleinigkeit wechseln, doch Fehlanzeige: Ohne Pass mit Namensregistration im Computer gibt es auf dem Airport keinen Cent, Bekaempfung der Geldwaescherei auf spanisch. Nach zwei kurzen Stunden heisst es Einsteigen nach San Jose. Ueber eine Kamera an der Heckflosse des Airbus A340-600 verfolgen wir unseren Start live mit. Im flachen Winkel geht es hoch, immer wieder sackt die schwere Maschine bedrohlich durch. Endlich ueber den Wolken gibt es Pasta oder Pizza zur Auswahl, dann folgen elf Stunden Wartezeit mit 2 nichtssagenden Filmen, einer davon mit Nespresso-Clooney. Auf der rechten Seite sitzend, wundere ich mich ueber den Sonnenlichteinfall. Die eingeblendete Karte am Bildschirm bestaetigt es, wir sind nach sueden geflogen und befinden uns ueber Caracas, Venezuela. Zum ersten Mal im Leben in Suedamerika! Tief verschneite Berge geben den Hinweis auf ein Gebirge im Norden des Landes. Eine zweite Mahlzeit ueber dem Norden von Kolumbien, Administratives fuer die Einreise ueber Panama; schon setzt der Flieger in San Jose zur Landung an. Stopp auf den letzten Metern vor dem Maschenzaun, geschafft! Teppiche in der Empfangshalle, der Aeropuerto ist wie ein Wohzimmer. Ein Mann von Dollar Rent a Car erwartet uns bereits; in halsbrecherischer Fahrt gehts durch den dichten Verkehr in Richtung San Jose. Die Formalitaeten sind schnell erledigt, als Sicherheit fuer den Wagen ist ein Blanko-Check der Kreditkarte zu hinterlegen. Dafuer erhalten wir einen praktisch neuen Mitsubishi Montero, dessen Spiegel automatisch einklappen, automatisch statt wie bestellt geschaltet. Jetzt geht es los nach Alajuela, ins Hotel Berna Tica, ein vom Autovermieter handgezeichneter Plan soll uns den Weg weisen. Der Verkehr ist unbeschreiblich: Links und rechts der Strasse tiefe Graeben, riesige Mack- und International-Trucks, sog. Furgones kreuzen unseren Weg. Strassenschilder sind entweder abgerissen, klein oder durch Werbung verdeckt, man orientiert sich an grossen Restaurants, Hotels etc. Noch eine halbe Stunde bis Sonnenuntergang. Mit viel Glueck erreichen wir unser Tagesziel noch vor der Dunkelheit: Das Berna Tica von Dora und Gottfried Schenk.

18.04.2008: Ein wunderbares Fruehstueck mit tropischen Fruechten und Toasts ist der Autackt zu unserer Barva-Wanderung. Gottfried erklaert uns den Weg bis Heredia, den wir mit etwas Glueck auch finden. Dann allerdings ist die Abzweigung zum Barva reines Losglueck, ein GPS waere fuer diesen Moment  eine unverzichtbare Hilfe gewesen. Nach dem x-ten Mal fragen gelangen wir an Ziel: Der Eingang zum Ntionalpark Braulio Carillo. Es regnet in stroemen, bei wenigen Metern Sicht in den Nebel. Miriane und Julian bleiben im Auto zurueck, wir andern wagen den Aufstieg zum Kratersee. Ein Fussweg fuehrt uns durch den Urwald, erstmals begegnen wir den Urwaldriesen mit den riesigen Brettwurzeln. Da es hier 360 Tage im Jahr regnet, ist alles mit dichtem Moos bewachsen und sieht daher gespenstisch aus. Pflanzen mit regenschirmgrossen Blaettern saeumen unseren Weg. Auf 2906 Meter ueber Meer seigen wir in den Krater ab. Immer noch ist es mindestens 15 Grad warm. Der See hat nur gerade 70m Durchmesser, trotzdem ist das andere Ufer nicht erkennbar. Schnell ein paar Erinnerungsfotos und wir beginnen den Abstieg. Auf der Talfahrt kehren wir in einem Bergrestaurant ein. Hier kocht man uns auf dem Holzeuer Comida Typica. Vor den Fenstern schweben Colibris, die wir gut beobachten koennen. Am Nachmittag reicht uns die Zeit gerade noch uer die Rueckfahrt von Heredia nach Alajuela. Der Verkehr im Grossraum von San Jose ist unbeschreiblich: ganztags herscht Stau. Von Gottfried erfahre ich, dass taeglich etwa 1000 neue Fahrzeuge in Verkehr gesetzt werden, bei null Strassenbau. Letztere sind total durchloechert, wie nach einem Bombenangriff, ein Vorwaertskommen daher oft nur im Schritttempo moeglich, fuer unsere Reise raet man uns, nicht merh als 40 km/h einzuplanen. Staendig druecken Busse, Trucks, Autos und Velos von links und rechts in unsere Fahrspur. Irgendwann bleibt mir nichts mehr anderes uebrig, als mich auch hineinzudraengeln, nach dem Motto, der Staerkere kommt vorwaerts. Ich frage mich, wie man hier eine Fahrpruefung ablegen kann. Gottfried klaert mich auf: Man kauft sich den Fuehrerschein ganz einfach, inkl. den dazugehoerenden, aerztlichen Attest. Der Costaricaner  kann  autofahren, er braucht es daher nicht zu lernen, ist hier die offizielle Auffassung. Wir sind froh, unseren Wagen wieder wohlbehuetet im Solar des Bernatica abstellen zu koennen.

19.04.2008: Heute geht es Richtung Vulkan Arenal. Zum Glueck zweigen wir schon vor dem Stadtverkehr von Alajuela links in Richtung Vulkan Poas zum Dorf Poasito ab. Erstmals lichtet sich der Verkehr und wir kommen rascher vorwaerts. Die Strasse steigt an den Haengen des Vulkans stark an. Wir fahren um ihn herum in Richtung Puerto Viejo. Links und rechts der Strasse wird intensive Landwirtschaft betrieben. Insbesondere Erdbeeren gedeihen vorzueglich. Schnell decken wir uns an einem Stand mit den wunderbaren Fruechten ein und setzen unseren Weg diese geniessend fort. Auf halbem Weg nach Puerto Viejo muessen wir links in Richtung Fortuna abzweigen. So steil wie wir aufgestiegen sind gehts wieder bergab. Eine uns ueberholende Camionetta geraet beim Wiedereinbiegen ins Schleudern und kommt quer vor der Kuehlerhaube eines entgegenkommenden Trucks zum Stehen. Soviel zu den Autofahrkuensten der Costaricaner. Wir kommen in eine riesige Ebene hinunter, die ueberwiegend viehwirtschaftlich genutzt wird. Wie in den Bergen begleitet Regen unsere Fahrt. Einen Moment lang giesst es wie aus Kuebeln, die Sicht gegen die Wasserwand ist gleich Null. Beim Pausieren im Restaurant eines Hotels am Strassenrand entdecke ich einen Computer. Windows 98, doch es reicht fuer die Beschreibung des ersten Reisetags. Umlaute hat es nicht auf der Tastatur, deshalb meine komische Schreibweise. Natuerlich sind auch das Y und das Z sowie die Satzzeichen vertauscht. Ueber sehr gute Strassen gelangen wir rasch nach Fortuna. Hinter dem Staedtchen zeichnet sich die Silouette des Vulkans Arenal ab. Fortuna selbst ist total touristisch, wir lassen den Ort wie auch das nachfolgende Thermalbad Tabacon hinter uns und umfahren den Vulkan. Links zweigt die Strasse zum Nationalpark des Arenal ab, dahinter liegt das von uns angepeilte Hotel Linda Vista del Norte. Auf holprigster Schotterpiste erreichen wir nach 3 km den Ort. Nach dem Zimmerbezug mit Schaufenstern vom Doppelbett auf den Vulkan spazieren wir durch den kleinen Ort, um nach einer Essgelegenheit fuer den Abend Ausschau zu halten. Bewegungen in den Aesten der Baeume am Strassenrand lassen meinen Blick nach oben schweifen: Erstmals erblicken wir Affen. Beim naeheren Betrachten ist es eine ganze Familie; zu deren Baum ich mich in den Wald begebe. Laengst hat man mich entdeckt und schaut auf mich herunter. Mit einem Hoellenlaerm verziehen sich die Tiere tiefer in den Wald. Grosser Schreck vor dem Nachtessen: Beim Fotografieren von Blumen muss mir der Autoschluessel aus der Hose gerutscht sein, da es punkt 18.00 Uhr schon dunkel ist, nuetzt suchen nichts mehr. Annemarie meldet den Verlust an der Reception, wo man ihr laechelnd den Schluessel entgegenstreckt. Offenbar hat ihn ein Hotelangestellter gefunden. Der rot beleuchtete Swimmingpool des Hotels mit seinem lauwarmen Wasser zieht uns an, schnell rein in die Badehosen und mit einem Bier vor die Sprudelduesen. Nur einer laesst uns heute definitiv im Stich: Von Arenal ist weder etwas zu sehen oder zu hoeren, nur auf den gleichnamigen Stausee sehen wir bei Mondschein hinunter. Muede fallen wir in die komfortabelen Betten.

20.04.2008: Auch beim Aufstehen zeigt sich nur der Vulkansockel unterhalb der Wolkenhuelle und es regnet in Strömen. Trotzdem tausendfaches Vogelgezwischer. Wir frühstücken im grossen Speisesaal des "Linda Vista del Norte" mit Panoramablick auf den Arenalsee. Dessen Wasserstand ist zu Beginn der Regenzeit trotz sprudelnder Zuflüsse sehr Tief. Neben Gallo Pinto wahlweise mit huevo frito oder huevo revuelta gibt es hier zur Freude der Kinder auch continental breakfast. Angesichts fehlenden Ausflugswetters geht es einen Tag früher als geplant weiter. Zuerst auf holpriger Schotterpiste von El Castillo die 3 km zurück an die Hauptstrasse von Fortuna nach Nuevo Arenal. Bei der Abzweigung passieren wir einen zur Zeit geschlossenen Polizeiposten. An der Staumauer des Arenalsee haben viele Ausflügler und Touristen geparkt. Hier ist auch die Abzweigung zu den Arenal Hanging Bridges. Wir fahren bis zu deren Eingang, besuchen sie jedoch nicht: Mit USD 10 je Person ist der Eintritt überteuert und angesichts der vorwiegend nordamerikanischen, entsprechend lärmigen Besucherströme das letzte Tier mit Sicherheit schon vertrieben. Auf der Weiterfahrt nach Nuevo Arenal halten wir links und rechts der Strasse Ausschau nach den offenbar hier lebenden Nasenbären. Tatsächlich sitzt plötzlich einer auf der Gegenfahrbahn. Wir halten an und steigen aus, doch das Tier ist schneller als unsere Fotokamera. Auf einem Seitenweg pirschen wir ein paar Meter in Richtung See in den Urwald vor. Und schon können wir eine Affenfamilie in den Bäumen beobachten. Ameisen und Moskitos lassen uns allerdings nicht sehr lange an dem Ort verweilen. Den nächsten Halt schalten wir bei der "Pequenia Suiza" ein, einer - wie könnte es auch anders sein - von einem Schweizer aufgebauten, kleinen Schweiz. Beeindruckend sind deren Dimensionen: Vom Restaurant über den Landwirtschaftsbetrieb, die Bergkapelle, eine Schmalspureisenbahn bis zum Kulmhotel mit eigenem Drehrestaurant repräsentiert hier alles unser Land in Costa Rica. Und beim Einkehren werden wir stilgerecht von einheimischem Personal im 'Sännechutteli' bedient. Um das nordwestliche Ufer des Sees geht es weiter in Richtung Tilaran. Hier ein Windsurfgebiet und zu unserem Erstaunen stehen auf der Cordillera de Tilarán auch reihenweise Windgeneratoren für die Stromerzeugung. Entsprechen zieht denn der Wind beim Vorbeifahren auch am Steuerrad. Die Gegend wir zunehmend trockener und gleicht nach Tilarán dem wilden Westen mit grossen, trockenen Rinderweiden. Einzelne, riesige Reservoirs in Form riesiger Röhren, in die Wohl Wasser gepumpt wird, 'zieren' zudem das Landschaftsbild. Dank guter Strassenverhältnisse erreichen wir schon bald Las Cañas. Der Ort selbst ist weniger von Bedeutung als die Panamericana, auf der wir jetzt nach Norden bis nach Liberia fahren. Unser Ziel ist der Parque Nacional Rincón de la Vieja, zudem es verschiedene Zufahrtswege und zwei offizielle Parkeingänge gibt. Zuvor wollen wir jedoch Geld abheben und auftanken in Liberia. Die Temperatur ist hier infolge tieferer Höhe über mehr extrem heiss. Während wir einen Bancomaten suchen, bewachen unsere Kinder unser Auto, im Schatten einer Hauszeile stehend und ein Glacé schleckend. Anfängliche Sprachbarrieren bei der Bedienung der 'cajeros automaticos' überwinden wir schnell. Wie sich erst später herausstellt, sind auf dem Land jedoch nur die Automaten kleinerer Banken EC-Direct-kompatibel und daher entsprechend schwieriger zu finden. Nur in Liberia und in San Isidro El General können wir zudem auch Dollars beziehen, an allen übrigen Orten 'nur' Collones, deren Bezug je nach Bank und Automat auf ca. 100'000 Collones je Bezug beschränkt ist. Kein Wunder, bei 10'000er- oder sogar 5'000er-Noten rattert der Automat eine ganz schöne Weile. Gut 20 km oder 2 Stunden Schotterpiste bis zum Parkeingang des Rincón de la Vieja liegen vor uns. Jedes überholende oder entgegenkommende Fahrzeug wirbelt soviel Staub auf, dass wir die Sicht zu verlieren drohen. Bei der privaten Hacienda Guachipelin öffnet der freundliche Caucho das die Strasse versperrende Tor erst nach Bezahlung von 700 Collones Wegzoll je Reisender. Wie in ganz Centroamerica üblich bei Null Leistung bezüglich Strassenunterhalt auf dem darauffolgenden Wegstück. Für die Übernachtung konzentrieren wir uns auf eines der beiden letzten Hotels vor dem Parkeingang. Bei der Hacienda Rincón de la Vieja sind infolge nordamerikanischer Reisegruppen nur noch Suiten frei. Wir haben jedoch Glück bei der Rincón de la Vieja Mountain Lodge, wo wir ein rustikales 6er-Zimmer erhalten. Die Lodge ist auch kleiner und familiärer; - wie sich herausstellt, sind auch nur wenige Gäste anwesend. Ein Sonnenuntergang-Spaziergang durch die von Pferdeweiden umgebene Hotelanlage mit Geflügelteich in der Mitte rundet unseren Ferientag ab. Das Nachtessen beschränkt sich auf die Auswahl auf der Speisekarte des Hotels zum Pauschalpreis je Person inkl. Getränken. Entsprechend umfangreich sind die von unserer Jungmanschaft mit Leichtigkeit vertilgten Portionen, egal ob mit Fisch, Geflügel oder Fleisch, serviert von einer entsprechend beleibten Latina. Einmal mehr falle ich müde ins Bett, und wie der Kopf das Kissen berührt, schlafe ich sogleich ein.      

21.04.2008: Wie starten unseren Tag wie schon bald gewohnt mit dem Gallo Pinto, dazu gibt Früchte, es sind dies Wassermelonen, Papayas und Ananas. Für Gäste mit nordamerikanischem Geschmack fehlen aber auch Toastbrot, Corn Flakes und Gleiche in Form mehrfarbiger Ringli nicht. Da der Parque National Rincón de la Vieja am heutigen Montag zu unserem Leidwesen geschlossen hat, konzentrieren wir uns auf den sich hinter dem Hotel erstreckenden Urwald, in dem ich schon vor dem Morgenessen alleine spazieren gegangen bin. Zuerst vorbei an drei laut summenden Bienenschwärmen habe ich neben den üblichen exotischen Vogelstimmen im Hintergrund Affengebrüll gehört und eines der grösseren Tiere nach rund einer halben Stunde Wegzeit bei einem Flussübergang auch entdeckt. Keine Chance jedoch, dieses mit unserer kleinen Kamera auch brauchbar zu fotografieren, viel zu hoch oben sitzt es in der Baumkrone. Auf dem Rückweg treffe ich dann beim Waldausgang per Zufall auf eine ganze Familie von Kapuzineraffen, in den Bäumen rund um mich herum sitzend, haben alle ihren Blick auf mich gerichtet. Alle zusammen wandern wir auf dem gleichen Weg rund 4 km in den Wald bis zu den 'Azufrales'. Es sind dies 2 warme Schwefelquellen vulkanischen Ursprungs mitten im Wald, wo es sich in kleinen, einfach hergerichteten Steinbecken baden lässt. Richtig heiss quillt das Wasser zwischen den Steinen hervor und der Schwefelgehalt des Wassers ist so hoch, dass sich auf diesem ein gelber Belag gebildet hat. Ganz zu schweigen vom höllischen Geruch, der uns die Azufrales schon 100 Meter vor dem Ziel angekündet hat. Entsprechend hellgelb verfärben sich denn auch mein Körper und meine Badehose. Wie es sich später herausstellen wird, hilft nicht einmal mehrmaliges Baden im Meer, den Schwefelgeruch meiner Badehose wieder loszuwerden. Da die Azufrales laut Planskizze an der Grenze zum Nationalpark liegen, beabsichtige ich, diesem auf dem Hintereingang trotzdem einen Besuch abzustatten. Ein offenbar wenig begangener Verbindungsweg führt mich zu den Azufrales des Nationalparks. Obschon nur etwa 1 km lang, ist dessen Fortsetzung bei einem Bachübergang nur schwer erkennbar, so dass ich mich einen Moment lang zu verlaufen drohe. Nur dank Orientierung an in regelmässigen Abständen eingeschlagenen, brusthohen, vierkantigen Pfählen und an einzelnen Bäumen angebrachten, farbigen Mäschchen kann ich mir den Rückweg sichern: Dies ist vielleicht ein Weg für Indianer, mit Sicherheit aber nicht für mich als Tourist! Angesichts der verlorenen Zeit pausiere ich an den Azufrales des Nationalparks nicht und wandere direkt in Richtung der 'pailas de barro', den Schlammfumarolen weiter. Nach ca. einem weiteren Kilometer lockerer Buschwald gelange ich zu einer Verzweigung an dem die beiden offiziellen Parkeingänge Las Pailas und Santa Elena verbindenden Weg. Von hier sind es zu den pailas de barro noch ca. 6 km. Zum Glück verläuft der Weg praktisch ausnahmslos in geschlossenem Wald, so dass ich von der Sonne geschützt bin. Zu meinem Erstaunen überquere ich dessen Verlauf aber mindestens zweimal einen Berg auf dessen Rückseite es jeweils wieder abzusteigen gilt, mit entsprechenden Hindernissen, versteht sich. Mal kreuzt ein Aguti meinen Weg, mal ist es einer der grossen, stahlblauen Schmetterlinge, die sich mit geöffneten Flügeln aber kaum fotografieren lassen. Bewegungen in den Baumkronen am Wegrand verraten mir die Anwesenheit einer weiteren Familie von Kapuzineraffen, die mich in sicherer Distanz umgeben. Endlich ist der Wald an einem grösseren, zu überquerenden Bach zu ende und ich habe die ersten zischenden und brodelnden Schlammfumarolen vor mir. Eine Absperrung mit Schild warnt vor 75 - 105 Grad Celsius heissen Gasen. Tatsächlich ist der Boden heiss wie eine Kochplatte, es brodelt, blubbert und zischt aus braunroten und grauen Schlammlöchern. Dazu einmal mehr der bekannte Schwefelgeruch. Ich verlasse den Ort, bevor die Sohlen meiner Wanderschuhe zu schmelzen drohen und blicke zu einem der Gipfel des Rincón de la Vieja auf. Dieser scheint zwar erreichbar, nach rund 12 km Urwald hätte ich jedoch keine Chance, den Rückweg heute noch zu schaffen, möchte ich doch den Park nicht beim offiziellen Eingang verlassen. Ich kehre also um, vor mir wiederum 12 km Urwald. Langsam schwinden meine Kräfte und das Wasser geht mir aus. An einem der Bäche fülle ich die Flasche wieder auf. Auch dieses Wasser riecht schweflig, ist ansonsten aber geniessbar. Immer häufiger muss ich Pausen einlegen. Lautes Pfeiffen und Bewegungen der Zweige lassen mich nach Vögeln Ausschau halten. Es sind eine Hand voll mit weissen Bäuchen und blauschwarzen Flügeln. Ich versuche, ihr Pfeiffen nachzuahmen. Zu meiner grossen Überraschung antworten 2 von Ihnen darauf und als ich weiterwandere folgen sie mir in sicherem Abstand von Ast zu Ast fliegend, bis sich der Wald zu liechten beginnt. Endlich erreiche ich nach rund 7 km die Azufrales des Nationalparks. Die Wegzeit für die restlichen 5 km inkl. Zeitreserve einberechnet, erlaube ich mir hier eine gute halbe Stunde lang Pause. Die Schwefelquellen des Nationalparks sind in etwa von gleich warmer Temperatur, jedoch stärker, das Wasser entsprechend klarer und die Flussbecken etwas grösser als diejenigen der Hacienda. Auf dem Rücken liegend lasse ich mich umhertreiben, umgeben von 360 Grad Natur pur, abseits von jeglicher Zivilisation, die Flugbahnen einzelner, vorbeiziehender Vögel als einzige, wahrehmbare Bewegungen, kurz: Ich habe eine der für mich schönsten Platz auf der Erde gefunden! Mehrmals schiebe ich meine Weiterwanderung nochmals um ein paar Zusatzminuten heraus. Schliesslich nehme ich die letzte Wegstrecke in Angriff. Rechtzeitig vor dem Eindunkeln erreiche ich die Rincón de la Vieja Mountain Lodge, total 24 km Urwald hinter mir, mir Steinen, riesigen Brettwurzeln, Lianen, steilen Auf- und Abstiegen sowie nicht enden wollendem Vogelpfeiffen. Ein weiteres Mal falle ich nach einem reichhaltigen Menü - serviert durch die beleibte Latina - und einem anschliessenden Feierabendbierchen an der Bar des Hotels totmüde ins Bett.

22.04.2008: Heute hat der Nationalpark offiziell geöffnet. Nach einem wiederum reichhaltigen Frühstück fahren wir mit dem Auto zum Parkeingang. Der Parkwächter lässt uns aufgrund unserer Familienangaben dos adultos, dos jovenes y dos niños zum Sondertarif von 14 USD in den Park. Normalerweise kostet der Eintritt je erwachsene Person 10 USD. Vielleicht ist auch das von mir angegebene Ausflugsziel für den tiefen Preis ausschlaggebend: Las caratas escondidas, die versteckten Wasserfälle. Einige hundert Meter nach Parkeingang steigen wir nach links zum Pozo Río Blanco ab, vergleichbar mit einem Flussbecken an der Maggia. Daher zwar sehr schön, für uns jedoch nicht etwas bisher noch nie Gesehenes. Wir trennen uns. Während Annemarie mit den Kindern und Lucas zu den pailas de barro wandert, nehme ich den Weg zu den caratas escondidas unter die Füsse. Bevor sich der Weg nach rund 2 km gabelt, ist dies der gleiche Weg wie zum catarata la cangreja und zur laguna azul, auf dem zu Beginn eine kleine Hängebrücke zu überqueren ist. Erstmals begegne ich vereinzelten anderen Parkwanderern. Unmittelbar nach der Abzweigung steigt der Weg steil an und führt aus dem Wald in offenes Gelände. Ich beeile mich mit dem Aufstieg, um mich nicht unnötig lang der stechenden Sonnenhitze auszusetzen. Je höher ich aufsteige, desto mehr realisiere ich, dass offenber ein ganzer Berg überwunden werden muss, um zu den Wasserfällen zu gelangen. Mit zunehmender Höhe kommt zum Glück etwas Wind auf, wenn auch nur ein heisser. Ein Blick auf den zurückgelegten Weg zeigt mir, dass nach mir niemand mehr den Aufstieg in Angriff genommen hat. Endlich ist eine kleine Hochebene mit Panoramablick auf die Halbinsel Nicoya erreicht. Es folgt ein kleiner Abstieg in die dahinter liegenden Wasserfälle. Der erste Fall ergiesst sich aus einem über einen Felskopf fliessenden Bach in die Tiefe. Zögernd krieche ich an den Abgrund und schiesse ein Foto in die Tiefe. Der zweite, etwas höher gelegene Fall ergiesst sich in einem Bogen in ein rundes Becken. Ich gönne mir in dem erfrischenden, aber keineswegs kalten Wasser ein Bad. Ist dies der zweit schönste Ort auf Erden? Da wir am Mittag beim Parkeingang abgemacht haben, steige ich im Laufschritt wieder vom Berg in den schützenden Wald ab und von dort zum Parkeingang. Nach dem Verzehr von 2 Lunchpaketen des Hotels fahren wir zu diesem zurück, laden unsere dort bereitgestellten Koffer ein, begleichen die Hotelrechnung und nehmen den Weg auf die Halbinsel Nicoya an die Playa Brasilito in Angriff. Für die Schotterpiste bis Liberia rechnen wir 2 Stunden ein; nach einem weiteren Banknotenbündel-Stopp am cajero automatico in Liberia für die Weiterfahrt bis an den Strand 2 weitere. Da die Strasse von Liberia bis nach Belén in einem sehr guten Zustand ist, kommen wir schnelle vorwärts als geplant. Dies hängt wohl mit dem Flughafenausbau von Liberia zusammen, von wo in Zukunft Massen von Touristen in an den Stränden entstehende Hotelanlagen gekarrt werden sollen. Auch von Bélen an die Playa Brasilito sind Strasse und für einmal Beschilderung gut. Offenbar zu gut; der Ort weit stärker frequentiert als von uns angenommen. Zu meinem Leidwesen sind hier auch das Quad- und Jetski-Fieber ausgebrochen, - mit Ruhe am Strand ist vorerst also nichts; ein Wunder, dass uns diese nicht noch gleich über das Badetuch fahren. Wir haben uns in den Cabinas ojos azules niederglassen und damit zum ersten Mal in einem Hotel ohne Stern im Reiseführer, dafür jedoch mit schweizer Leitung und auch am Meer zu einem bezahlbaren Preis. Die Zimmer selbst erweisen sich als in Ordnung, mehr berauschend als bereichernd ist unser Eindruck von der schweizer Hotelleitung: Für jede Selbstverständlichkeit müssen wir diese aus ihrem Privatgemach herausklingeln und die Frau des Chefs gibt mir in knappem Bikini mit schief sitzender Hornbrille und verwaschener Stimme einige für mich unverständliche Ausgehtipps. Auch in Costa Rica gibt es offenbar Ausländer und Ausländer. Wir ziehen daher eine Pizzeria in der Nähe der Cabinas vor. Dort gibt es zwar ausgerechnet keine Pizzas, um so besser schmeckt uns jedoch die von der Frau des Familienbetriebs zubereitete comida typica. Zum Dessert leisten wir uns zudem ein feines Glacé von dos piñas, womöglich einer Neslé-Tochter. Fröhlich streckt mir der Wirt den von uns stehen gelassenen Insektenspray entgegen, als ich deswegen nochmals kurz ins Lokal zurückkehre. Wie gewohnt fallen wir im Halbschlaf in die Betten.             

23.04.2008: Neben uns haben Angestellte der ICE, einer costaricanischen Partnerfirma der Swisscom übernachtet. Mein Handy funktioniert daher - Empfang vorausgesetzt - auch in Costa Rica einwandfrei. Im Verlauf des Tages quartieren sich ferner Angestellte einer Firma für Bodenproben ein, samt Lastwagen mit Bohraggregat, versteht sich. Unser Hotelier schlägt der low-season ein Schnippchen: Anstelle von Hotelgästen lässt er in seinen Cabinas Bauarbeiter einer in Strandnähe gelegenen Hotel-Grossbaustelle übernachten. Business as usual. Nach dem obligaten gallo pinto mit Kaffee oder Fruchtsaft in einem für Costa Rica typischen, kleinen Restaurant rüsten wir uns mit Badeutensilien aus und brechen zu der ca. 1 km südlich der Playa Brasilito gelegenen Playa Conchal auf. Deren Sand ist im Unterschied zum dunklen Sand der der Playa Brasilito hell und die Quads fahren hier wenigstens nicht direkt am Strand umher. Bei warmem Wasser lässt es sich wunderbar baden, doch die Sonne sticht über Mittag - fast senkrecht am Himmel stehend - unerbärmlich heiss auf uns herunter; den ganzen Tag im Schatten eines Baumes sitzend, hole ich mir dennoch einen Sonnenbrand. Ich nehme das erste Buch Total Cheops der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo in Angriff. Es folgt totale Entspannung bis 16 Uhr. Anschliessend kehren wir in Duschzeit-Abständen in unsere Cabinas zurück. Bei Dunkelheit sind alle bereit für den abendlichen Ausgang. Heute weist uns der Reiseführer zu einem Restaurant, dieses Mal einer richtigen Pizzeria. Wir vergessen den Tipp von Gottfried, nur 3 oder 4 Pizzas für 6 Leute zu bestellen. Trotz Hunger bleiben auf den Tellern daher Reste übrig, die man uns zu unserem Erstaunen in Alufolie mitgibt. Auf dem Rückweg zu den Cabinas ojos azules geniessen die einen von uns ein weiteres Glacé von dos piños, die anderen einen batido con banano en leche oder einen batido con piña en agua von einem von drei Frauen betriebenen Fruchtstand, danach geht es ab in die Betten. 

24.04.2008: Wir frühstücken wiederum in dem kleinen, für Costa Rica typischen Familienrestaurant. D.h. nur noch Lucas, Miriane und Emanuel; wir anderen sind noch satt vom Vorabend und begnügen uns mit Fruchtsäften oder Kaffee. Nach gemeinsamer Beratung beschliessen wir, heute nach Santa Elena weiterzufahren. Lucas hätte es nichts ausgemacht, noch zu bleiben, offenbar macht ihm die Hitze im Gegensatz zu uns weniger aus. Über Huacas, Llano, Coyolito und Santa Ana geht es zurück nach Belén. Von hier fahren wir nach Süden über Santa Cruz nach Nicoya, wo wir einen weiteren Bancomat-Stopp einlegen. Die Bargeld-Beschaffung erweist sich ohne Visa-Kreditkarte jedoch als umständlich: Zunächst stehe ich nach ergebnisloser Suche nach einem cajero automatico mit EC-Direct-Symbol ergebnislos eine halbe Stunde an einem Schalter der Banco de Costa Rica an, trage ich doch naiverweise den für einen Bargeldbezug ab Kreditkarte benötigten Reisepass nicht auf mir. Die Familie steht - unser Auto bewachend - schon ungeduldig an der heissen Sonne, als ich - inzwischen fündig geworden - endlich zu ihr zurückkehre. Auf 27 Grad Celsius eingestellt, verbreitet die Klimaanlage auf unserem weiteren Weg nach Süden wieder angenehm kühle Temperaturen. In Mansión zweigen wir links ab und fahren nach Osten über die den Río Tempisque überquerende Puente de Amistad. Vor 18 Jahren war hier etwas weiter an der Flussmündung nur ein Fährbetrieb und ein Grossteil der Strassen auf der Halbinsel Nicoya ungeteert, so dass wir damals mit dem Bus von der Playa Sámara bis nach San José mehr als eine halbe Tagesreise benötigten. Vor Limonal biegen wir wieder in die Panamericana ein, verlassen diese jedoch bereits gut 3 km weiter südlich erneut, in dem wir den Weg über Las Juntas nach Santa Elena unter die Räder nehmen. Ausgangs Las Juntas wird der Weg schmal, staubig und sehr steil, einmal mehr ginge es nicht ohne Allradantrieb. Da wir zudem in enge Taleinschnitte gelangen, fragen wir sicherheitshalber mehrmals nach dem Weg, den man uns stets mit 'si' und Kopfnicken bestätigt. Immer weiter steigt die Strasse und scheint schliesslich über den letzten und höchsten Hügel hinaus in den Himmel zu führen. Am vermutlich höchsten Punkt geniessen einen kurzen Halt mit Panoramablick, bevor wir die weiteren Kilometer Schotterstrasse in Angriff nehmen. Nach einzelnen kleinen Weilern kündigen uns ein erstes Schild und mehrere Häuser das Bergdorf Santa Elena an. Zu unserer Überraschung ist die Strasse plötzlich wieder geteert und die vermeindliche, grosse Abgeschiedenheit der Gegend weicht reger Betriebsamkeit. Schnell ist das von mir ausgesuchte Swisshotel Miramontes gefunden und mit Frau Käthe Faisthuber Einigkeit über den Preis für 2 Übernachtungen erzielt. Wir erhalten 2 schöne Chaletzimmer und geniessen die hier deutlich angenehmeren Temperaturen; bei Sonnenuntergang wird es sogar etwas kühl, so dass wir uns Pullover anziehen. Die Speisekarte beim Nachtessen ist dann ganz nach dem Geschmack der Kinder, stehen doch mit Rösti und Wienerschnitzel schweizerische und österreichische Gerichte zur Auswahl. Ausser uns sind noch eine weitere Familie und ein Paar im Speisesaal, alles Schweizer. Nach dem Essen führt uns Wirt Walter Faisthuber - in seiner Freizeit ein passionierter Hobbyfilmer - eine DVD über die Tier- und Pflanzenwelt in und um Monteverde und Santa Elena vor. Bereits Beobachtetes erkennen wir darin wieder, auf noch nicht Gesehenes freuen wir uns für den morgigen Tag. Inzwischen einmal mehr sehr müde geworden, geht es schnurstracks ab in die Betten.

25.04.2008: Für das Frühstück haben wir mit gallo pinto wieder mehrheitlich comida typica vorbestellt. So typisch scheint uns diese jeweils aber nicht zu sein, zumal uns als Beilage oft ungefragt ein Toastbrot serviert wird, während Ticos und Ticas die übliche Tortilla erhalten. Heute bedient uns das einheimische Personal des Miramontes, nehmen sich doch Käthi und Walter Faisthuber jeweils morgens frei. Die grosse Arbeitsbelastung im schweizerischen Gastgewerbe war denn auch ihr Auswanderungsgrund nach Costa Rica. Nach dem Zähneputzen machen wir uns auf zum Reserva Santa Elena. Anfänglich auf der richtigen Strasse, schickt uns ein Bauarbeiter in die verkehrte Richtung und es braucht 3 weitere Auskünft, bis wir wieder auf dem richtigen Weg sind: Alle kennen nur das Reservat Monte Verde, wo sie uns mit Sicherheit problemlos hinlotsen könnten. Auf der Schotterpiste geht es bergwärts zum Parkeingang, vorbei an einer grossen Canopy-Baustelle mit Hängebrücke und Seilbahn, gemacht für nordamerikanischen Event-Touristen und deren jährlich 12-tägigen Funferien, - schade für die Landschaft. Beim Parkwächter angekommen, handeln wir uns wiederum einen Familien-Eintrittspreis aus. Auch überrascht er uns mit seinen Deutschkenntnissen und bittet uns, diese zu beurteilen. Wir empfinden es als angenehm, einen gebildeten Tico vor uns zu haben, was vielleicht auch etwas mit der privaten Trägerschaft des Parks zu tun hat. Da es späterer Morgen ist, verstecken sich im Reservat dann die meisten Tiere vor uns, so dass sich unsere Beobachtungen auf die fantastische Flora und Akustik des Regenwaldes beschränken. Die Kinder voran besteigen wir einen baufälligen Beobachtungsturm an einem der 4 angelegten Wege. Von diesem aus sehen wir über das Dach des Regenwaldes, die von diesem bedeckte, hügelige Umgebung und in der Ferne die imposante Silouette des Vulkans Arenal. Kurzzeitig ist jeweils auch dessen Gipfel in Wolkenlöchern erkennbar, das Wetter ist jetzt eindeutig besser als bei unserer Anwesenheit vor Ort. Dies zeigt sich auch am guten Wegzustand während unserem Parkrundgang, der Regenwald ist trocken. Die Kinder sind schnell zufrieden und begnügen sich mit einem kurzen Rundweg bis zum Parkeingang zurück. Dort treffen sie auf das im Park lebende und sich Streicheleinheiten gefallen lassende Wildschwein, von dem man uns am Vorabend erzählt hat. Ebenso beobachten sie dort in nächster Nähe einen Nasenbären; offenbar zieht der Geruch des nahen Restaurants auch die Tiere an. Unser Rundgang auf einem längeren Rundweg war mit der Beobachtung eines Glasflügelfalters und eines Bellbirds weit weniger spektakulär. Während sich Annemarie und die Kinder zu Fuss zum Eingang eines wenige hundert Meter vor dem Reservat gelegenen Abenteuerparks begeben, genehmige ich mir auch einen Cappucino und fahre ihnen anschliessend mit dem Auto nach. Abgeschreckt vom dortigen Tourismusauflauf und den automatisch damit verbundenen, entsprechend hohen Eintrittspreisen fahren wir jedoch nach Santa Elena zurück, wo wir uns nach einer weiteren Bancomat-Tour zum Besuch des Serpentariums entschliessen. Dieses ist zwar eher klein, insbesondere die sich darin befindenden Terrarien. Diese wirken jedoch gepflegt und die Tiere scheinen daher gut gehalten zu sein. Viel länger als angenommen beobachten auch die Kinder die Bewegungsabläufe einzelner aktiver Schlangen. Wieder im Dorfkern von Santa Elena zurück, quetsche ich unseren Geländewagen in eine Reihe anderer am Strassenrand und warte auf Annemarie und die Kinder, die ein Glacé kaufen und nach einer Bäckerei Ausschau halten gegangen sind. Letztere sehen wir erst beim Wegfahren, so dass ich nochmals anhalte. Mit süssem Gebäck für die Weiterreise im Gepäck geht es zum Miramontes zurück. Die Zeit bis zum Eindunkeln verbringe ich mit dem Fotografieren von einzelnen blühenden der insgesamt etwa 1'000 verschiedenen Orchideen im Garten des Miramontes; die letzten aufgrund der rasch einsetzenden Dämmerung mit Blitz. Ein zweites Mal geniessen wir die schweizerische Küche made in Costa Rica. Nach dem Essen plaudern wir mit Walter Faisthuber, während sich die Kinder um unseren Eintrag ins Gästebuch kümmern. Dazu opfert Lucas eine Postkarte, aus der er den Quetzal ausschneidet und einklebt, während sich Miriane um den Text kümmert. Nach einem Imperial an der Bar begebe auch ich mich ins Chaletzimmer, wo bereits alle am ins Bett gehen sind. Keine Zeit mehr also, um noch ein Buch oder eine Zeitschrift anzurühren. 

26.04.2008: In Anbetracht der heute vor uns liegenden Stecke an die Playa Matapalo sind wir früh ausfgestanden und haben die Koffer vor dem Frühstück gepackt. Wiederum geniessen wir zum Frühstück den vom Personal des Miramontes zubereiteten Gallo Pinto und beschliessen, vor unserer Weiterreise noch die Schmetterlingshalle des vor dem Reserva Santa Elena gelegenen Abenteuerparks zu besuchen. Auf dessen Parkplatz angekommen, bleibt Lukas mangels Interesse an den Tieren musikhörend im Auto zurück. Dies kommt uns nicht ungelegen, haben wir doch unser ganzes Gepäck im Auto und sind froh um eine gute Bewachung. Mit einem für uns herbeigerufenen Führer begeben wir uns auf einen Rundgang durch die helle, halbrunde Halle. Er erklärt uns den Lebenszyklus der Schmetterlinge und zeigt uns an den Blättern versteckte sowie mit Nadeln in stehenden Holzkisten aufgesteckte Cocons in verschiedensten Formen und Farben; zu unserem Erstaunen auch goldfarbene. Aufgrund deren grossen Zahl beobachten wir auch einzelne Tiere beim Ausschlüpfen, Flügelstrecken und Trocknen. Auch gelingen den Kindern einzelne gute Fotos der Tiere, werden sie doch von auf Tellern liegenden süssen Früchten angezogen. Im Unterschied zur freien Natur setzen sich einzelne Schmetterlinge zudem auf unseren Händen ab. Gerne wäre ich noch länger in der Halle geblieben, doch die Familie ist in Aufbruchstimmung zum Meer. Bis an die Panamericana ist vorerst aber Geduld angesagt, geht es doch wieder über eine Schotterpiste, diesmal via Cerros, Guacimal, Coyolar und Sardinal nach Rancho Grande. Von hier kommen wir bis nach Barranca, auf der Hafenstrasse nach Puntarenas und nach der Abzweigung in Roble Richtung Quepos rasch vorwärts, so dass wir in der Nähe von San Jerómino eine Trink- und Toilettenpause einlegen. Ich benütze die Gelegenheit, Heinz Müller telefonisch über unsere heutige Ankunft an der Playa Matapalo zu informieren. Bis Quepos liegen nur noch knappe 70 km gut ausgebaute Küstenstrasse vor uns, danach allerdings noch etwa 25 km Schotterpiste. Nächster Stopp ist jedoch die Brücke über den Río Tárcoles. Hier sollen sich die Krokodile im Fluss gleich reihenweise suhlen. Touristische Stände am Brückenkopf künden den Ort an. Wir parkieren, begeben uns auf die Brückenmitte und werden nicht enttäuscht: Julian meldet die Zählung von 28 dieser Reptilien, einzelne davon sind schätzungsweise über 3 Meter lang. Ich vermute Fütterung als Grund für deren Ansammlung unter der Brücke; fragt sich bloss, womit... Wir fahren bis zur Abzweigung nach Tárcoles und von da bis zum am Meer liegenden Dorf und dort direkt an die Playa Tárcoles weiter, wo wir sozusagen vor der Kühlerhaube einen Picknickplatz im schwarzen Sand vorfinden, der sich zum Verzehr unserer noch unangetastet gebliebenen Wassermelone eignet. Ausser uns ist der Strand menschenleer, aufgrund nahe gelegener Häuser von Einheimischen allerdings nicht sehr sauber. Zu meiner Überraschung steigt die Küstenstrasse im nun folgenden Abschnitt stark an; der Karte entnehme ich, dass wir über die Cierros del Chiquero fahren. Von diesen geht es wieder hinunter an der Playa Herradura und weiter an der Playa Jacó vorbei. Besonders letztere ist zu unserem Leidwesen zu einer grässlichen Grossbaustellen des Massentourismus degeneriert, Nordamerika sei Dank. Und schon bald soll auch die Playa Hermosa so aussehen. Sanfter Tourismus ade! Es bleibt lediglich die Hoffnung, dass die Suprime-Krise der Verschandelung zumindest vorübergehend Einhalt gebieten möge. Der Blick auf die nachfolgenden, weniger berührten Küstenabschnitte hebt unsere Stimmung wieder. In Parrita tanken wir ein zweites Mal auf. Die Brücke über den Rio Parrita ist eine von vielen Baustellen auf dieser Strecke, ist doch geplant, den ganzen Schwerverkehr von Puntarenas direkt entlang der Küste über Palmar Norte nach Paso Canoas zu führen, und nicht mehr wie bisher über San José und den Cerro Muerte. Wir erreichen alte Hafenbecken, an die wir uns noch zu erinnern vermögen: Quepos kann nicht mehr weit sein. Dort angekommen 'tanken' wir am cajero automatico Banknoten und verlassen die Stadt wieder in Richtung Nordosten, den Parco National Manuel Antonio umfahrend um anschliessend wieder in Richtung Südosten weiterfahrend. Einmal mehr endet der Asphalt und damit unser rasches Vorwärtskommen. Links neben der Strasse sehen wir plötzlich ein Flugzeug des SANSA; wir sind am Pistenende des Flugplatzes in Quepos. Die Maschine liegt mit einem Flügel auf einem Pfosten eines den Platz umgebenden Maschenzauns auf; offenbar ist der Pilot diesem zu nahe gekommen. Auf staubiger Strasse durchqueren wir nun endlos erscheinende Palmölplantagen, einzelne Trucks begegnend oder überholend. Immer wieder überqueren wir auch kleine Flüsse auf zu Strassenbrücken umfunktionierten Eisenbahnbrücken. Eines mehrerer aufeinanderfolgender Dörfer ist schliesslich Matapalo. Hier biegen wir nach der Brücke rechts ab und nehmen den für heute letzten Kilometer an die Playa unter die Räder. Die 'Albergue Suiza' von Heinz Müller ist rasch gefunden. Wir erhalten zwei schöne Zimmer im Parterre des zweigeschossigen Hauses. Die Kinder freuen sich über die sich darin befindenden Waveboards. Sogleich begeben wir uns an den Strand und erblicken auf beide Seiten unverbaute Natur, soweit unsere Augen reichen: Einfach fantastisch! Der Sand ist so fein und der Strand so flach, dass sich die Sonne in ihm spiegelt. Rasch ziehen wir unsere Badehosen an und geniessen die Zeit bis und mit Sonnenuntergang. Danach gehen wir zu Fuss in ein uns von Heinz Müller empfohlenes Restaurant und nach reichhaltigem Essen mit erlebtem Stromausfall wieder in unsere Zimmer zurück, wo mich auch die spannende Lektüre der 'Marseille-Trilogie' nicht wach halten kann.

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